{"count":16599,"next":"https://api.tatortrechts.de/incidents/?format=json&page=519","previous":"https://api.tatortrechts.de/incidents/?format=json&page=517","results":[{"id":5350,"description_highlighted":null,"title_highlighted":null,"location":{"id":1195,"house_number":null,"street":null,"postal_code":"09557","district":null,"city":"Flöha","county":"Mittelsachsen","state":"Sachsen","geolocation":{"type":"Point","coordinates":[13.07767,50.86168]}},"chronicle":{"id":4,"created_at":"2021-02-14T00:10:14.682569Z","updated_at":"2021-05-03T20:48:54.400237Z","name":"RAA Sachsen","description":"Die RAA Sachsen e.V. wurde Anfang der 1990er Jahre vor dem Hintergrund zunehmender rechtsextremistischer Gewalt im Freitstaat Sachsen - nicht zuletzt der ausländerfeindlichen Übergriffe im September 1991 in Hoyerswerda - auf Initiative der Freudenberg Stiftung und der RAA Neue Länder gegründet. 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In der Folge musste er im Krankenhaus behandelt werden.","date":"2017-12-08","orig_city":"Flöha","orig_county":"Mittelsachsen","orig_address":null,"contexts":null,"factums":null,"motives":null,"tags":null},{"id":16239,"description_highlighted":null,"title_highlighted":null,"location":{"id":2675,"house_number":null,"street":null,"postal_code":"37191","district":null,"city":"Katlenburg-Lindau","county":"Northeim","state":"Niedersachsen","geolocation":{"type":"Point","coordinates":[10.09923,51.68157]}},"chronicle":{"id":13,"created_at":"2021-02-19T01:44:05.905116Z","updated_at":"2021-05-03T20:48:54.427310Z","name":"Todesopfer rechter Gewalt, Amadeu Antonio Stiftung","description":"Seit Jahren beklagt die Amadeu Antonio Stiftung die große Diskrepanz zwischen der Anerkennung von Todesopfern rechter Gewalt durch staatliche Behörden und der Zählung durch unabhängige Organisationen sowie Journalistinnen und Journalisten.\n\nWo von der Bundesregierung lediglich 106 Tötungsdelikte als rechts motiviert gewertet werden, ergeben Recherchen der Amadeu Antonio Stiftung eine weitaus höhere Zahl: Mindestens 213 Todesopfer rechter Gewalt seit dem Wendejahr 1990 sowie 13 weitere Verdachtsfälle.\n\nDie Recherche zu den Todesopfern rechter Gewalt stützt sich in der Regel auf Medienberichte, Monitoring durch Opferberatungsstellen und Recherchearbeiten von Journalistinnen und Journalisten sowie Gedenkinitiativen.","url":"https://www.amadeu-antonio-stiftung.de","chronicle_source":"https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/todesopfer-rechter-gewalt/","iso3166_1":"DE","iso3166_2":null,"region":"Germany"},"sources":[{"id":19280,"created_at":"2021-02-19T02:13:57.706258Z","updated_at":"2021-02-19T02:13:57.706282Z","rg_id":"aas-trg-post-63979","name":"DIE ZEIT","url":"https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-09/rechtsradikalismus-katlenburg-okkultismus-sekte-folter/komplettansicht","date":null,"incident":16239}],"created_at":"2021-02-19T02:10:16.465138Z","updated_at":"2021-02-19T02:10:16.465169Z","rg_id":"aas-trg-post-63979","url":"https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/todesopfer-rechter-gewalt/christian-sonnemann/","title":"Christian Sonnemann","description":"Am 08. Dezember 2017 wurde der 37-jährige Christian Sonnemann in einem Haus im niedersächsischen Katlenburg-Lindau ermordet. Er lebte in diesem Haus mit den Mitgliedern einer rechten Esoterik-Sekte, der er jedoch selbst nicht angehörte­. Er war nur auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum und einem besseren Leben.\n\nChristian Sonnemann geriet an jenem 08. Dezember in eine Auseinandersetzung mit Martin K., der ebenfalls in dem Haus wohnte. Martin K. äußerte seinen Hass auf die Lebensweise von Christian Sonnemann und schlug ihm mit der rechten Faust mindestens zweimal heftig in das Gesicht. Anschließend erdrosselte er ihn mit einer Paketschnur, die er sich selbst mehrmals um die Finger gewickelt hat – er schnürte Christian Sonnemann mindestens 3 Minuten die Luft ab. Martin K. beobachtete einige Minuten, wie Sonnemann leblos auf dem Bett lag und unternahm keinen Rettungsversuch. Er verließ die Wohnung und ließ den toten Christian Sonnemann dort liegen.\n\nAnschließend zog Martin K. den Zeugen und Mittäter M. ins Vertrauen. Gemeinsam zerstückelten sie Christian Sonnemanns Leichnam und vergruben ihn auf einer Brache nahe des Ortes. Einige Teile des leblosen Körpers entsorgten sie einfach in einer Mülltonne.\n\nChristian Sonnemann stammte aus der ehemaligen DDR. Er wuchs dort gemeinsam mit seinem älteren Bruder auf. Zerrüttete Familienverhältnisse prägten ihre Kindheit, einen Großteil dieser Zeit verbrachten beide in Heimen und betreuten Wohngemeinschaften. Früh schon geriet Christian Sonnemann in eine Alkoholabhängigkeit, später kamen noch andere Drogen hinzu. Er versuchte wiederholt die Sucht hinter sich zu lassen und fing zwischenzeitlich eine Ausbildung zum Mechatroniker in Göttingen an.\n\nChristian verlor sich in der Göttinger Drogenszene. Später zog er nach Katlenburg-Lindau, ca. 30 KM von Göttingen entfernt, um dort Distanz zur Szene zu schaffen. Er fällt jedoch wieder in alte Verhaltensmuster zurück und verlässt kaum die Wohnung. Sein Leben scheint geprägt von einer ständigen Angst vor der Welt draußen.\n\nSeine Mitbewohner nutzten dies aus: Wiederholt heben sie mit seiner Bankkarte Geld von seinem Konto ab – er hatte ihnen die PIN-Nummer gegeben, damit sie damit für ihn einkaufen konnten. Sonnemann wurde wegen seiner Probleme schikaniert. Dieser Hass auf sozial Schwächere führte schließlich zu seinem Tod.\n\nDas Haus in Katlenburg-Lindau gehört Lucas M. Für ihn war das Gebäude ein lukratives Geschäftsmodell und zugleich der Ort zur Auslebung eines okkulten Wahns. Fast alle Bewohner des Hauses gehörten dem „Deutschen Hüterorden“ an, es wurden gemeinsame Fahrten zu „Pegida“ Demonstrationen oder zur Wewelsburg unternommen – ein Ort, der aufgrund seiner SS-Vergangenheit eine Art „Wallfahrtsort“ für Neonazis und Rechtsextreme ist. Die Nähe von Okkultismus und Rechtsextremismus zeigt sich an der Sekte in Katlenburg-Lindau besonders deutlich. Eines der Mitglieder, Wladislaw S., war später maßgeblich an der Gründung der rechtsextremen Terrorzelle „Nordadler“ beteiligt. Wegen des Verdachts der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat wurde er bereits im April 2017 verhaftet. Lucas M., der Sektengründer, zog daraufhin aus dem Haus aus und wechselte seine Telefonnummer.\n\nVon den kruden okkulten Machenschaften der Sekte bekam Sonnemann nicht das volle Ausmaß mit. Immer wieder geriet er in Streit mit den Anhängern. Dieser Tatsache ist es wohl auch geschuldet, dass das rechtsextreme Tatmotiv im Gerichtsurteil zwar erwähnt, aber nicht berücksichtigt wird – die Tat wird hier als Affekttat im Kontext eines vorangegangenen Streits gewertet.\n\nDer Mittäter, in den Gerichtsakten nur als „Zeuge M.“ geführt, und der Angeklagte sinnierten in späteren Chats darüber, „etwas Gutes getan zu haben“. Der Mittäter erläuterte sowohl in der polizeilichen Vernehmung als auch vor Gericht, dass sie Christian Sonnemann von seinem Alkoholismus erlöst und die „Welt damit ein Stück besser gemacht“ hätten. Nicht nur Sonnemann wäre von seinem Alkoholismus befreit worden, sondern auch die Welt von ihm: Von einem „Trinker“.  Diese Aussagen wurden vom Gericht als nachträgliche Rechtfertigung der Tat verstanden – sie sind jedoch auch als klares Zeichen für ein sozialdarwinistisches Tatmotiv zu werten. Besucht man Websites des „Deutschen Hüterordens“, stößt man schnell auf die Aufforderung, die „kranken Seelen“ zu erschlagen.\n\nEs waren schließlich die intensiven Nachforschungen von Christian Sonnemanns Bruder, die Ermittler*innen zu dem Haus führten. Er fand einen überquellenden Briefkasten vor und merkte, dass der Computer von Christian Sonnemann verschwunden war. Das waren klare Zeichen für ihn, dass seinem Bruder etwas zugestoßen sein musste. Wie er der ZEIT gegenüber äußerte: „Das war sein Fenster zur Welt, den hätte er niemals zurückgelassen.“ Die Ermittler*innen übersehen die Blutspuren an der Wand, nehmen Andreas Sonnemanns Sorgen nicht ernst. Die Beamt*innen stellten die Suche nach Sonnemann zunächst erfolglos ein.\n\nErst als der Haupttäter nach einem Suizidversuch einem Polizeibeamten gegenüber äußerte, dass er jemanden umgebracht habe, wird die Suche nach Christian Sonnemann wieder aufgenommen. Von Leichenspürhunden wird sein zerstückelter Leichnam gefunden – Monate nach der Tat.\n\nDer Täter wurde wegen Totschlags und Störung der Totenruhe zu 8 Jahren Haft verurteilt. Ein sozialdarwinistisches Motiv wurde nicht anerkannt, obwohl es in den Aussagen des Täters deutlich zu erkennen ist. Mit der Anerkennung eines sozialdarwinistischen Motives wäre das Urteil für die Tötung Christian Sonnemanns mutmaßlich ein anderes gewesen.\n\nChristian Sonnemanns Bruder fährt noch ein letztes Mal nach Katlenburg-Lindau und stellt ein kleines Holzkreuz für seinen Bruder auf. Darin eingeritzt ist nur sein Name, das Jahr seiner Geburt und das Jahr seines Todes.\n\n„Ich hatte so sehr gehofft, dass mein Bruder es auch schafft, von den Drogen wegzukommen und glücklich zu sein“, äußerte er gegenüber der ZEIT.\n\nStattdessen wurde Christians Suche nach einem Neuanfang zu seinem Todesurteil, weil ein Rechtsextremist die „Welt von einem Trinker befreien“ und sie somit „zu einem besseren Ort“ machen wollte.","date":"2017-12-08","orig_city":"Katlenburg-Lindau (Niedersachsen)","orig_county":null,"orig_address":null,"contexts":null,"factums":null,"motives":null,"tags":null},{"id":5349,"description_highlighted":null,"title_highlighted":null,"location":{"id":1477,"house_number":null,"street":null,"postal_code":"02625","district":null,"city":"Bautzen","county":"Bautzen","state":"Sachsen","geolocation":{"type":"Point","coordinates":[14.42426,51.17964]}},"chronicle":{"id":4,"created_at":"2021-02-14T00:10:14.682569Z","updated_at":"2021-05-03T20:48:54.400237Z","name":"RAA Sachsen","description":"Die RAA Sachsen e.V. wurde Anfang der 1990er Jahre vor dem Hintergrund zunehmender rechtsextremistischer Gewalt im Freitstaat Sachsen - nicht zuletzt der ausländerfeindlichen Übergriffe im September 1991 in Hoyerswerda - auf Initiative der Freudenberg Stiftung und der RAA Neue Länder gegründet. 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Nachdem sich die beiden vorerst absetzen konnten, stießen sie auf dem Weihnachtsmarkt erneut auf die Gruppe. Wieder kam es zu Beleidigungen, die zunächst in eine Schubserei und sodann in Faustschläge eines 18-jährigen Rechten mündeten. Der 17-Jährige kam durch den Faustschlag ins Gesicht zu Fall und stürzte gegen einen Stand; er musste im Anschluß im Krankenhaus behandelt werden. 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Auf einer Mauer am Deich zur Weser auf dem Gelände der Gedenkstätte wird mit schwarzer Farbe von den Täter*innen »Stoppt den Schuldkult« geschrieben. 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Die Umbennenung des Platzes erfolgte wenige Tage vor der revisionistischen Attacke. Ein genauer Tatzeitpunkt lässt sich nicht bestimmen. 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